Der erste Arbeitstag in einem neuen Land ist aufregend, aber auch anspruchsvoll. Neu entsandte Mitarbeitende bringen Motivation mit, stehen jedoch gleichzeitig vor einer Vielzahl an Herausforderungen: eine fremde Arbeitskultur, neue Kollegen, ein unbekanntes Wohnumfeld und oft auch eine neue Sprache. Nach etwa drei Monaten hat sich der erste Trubel gelegt, und genau dann lohnt es sich, innezuhalten und gemeinsam Bilanz zu ziehen. Der 90-Tage-Check-in ist ein strukturiertes Gespräch, das Unternehmen nutzen, um entsandte Mitarbeitende in dieser entscheidenden Phase zu unterstützen und frühzeitig auf Probleme zu reagieren.
In diesem Artikel erfahren Sie, was ein 90-Tage-Check-in ausmacht, welche Themen er abdecken sollte, wie ein guter Gesprächsleitfaden aussieht und wie sich typische Herausforderungen lösen lassen. Schritt für Schritt bauen wir ein vollständiges Bild auf, das sich direkt in der Praxis anwenden lässt.
Was ist ein 90-Tage-Check-in und welche Ziele verfolgt er?
Ein 90-Tage-Check-in ist ein strukturiertes Gespräch zwischen dem entsandten Mitarbeitenden und einer Ansprechperson aus dem Unternehmen, das etwa drei Monate nach Beginn der internationalen Entsendung stattfindet. Es ist kein formelles Leistungsbeurteilungsgespräch, sondern ein offener Austausch, der gezielt auf die besonderen Bedürfnisse von Expatriates eingeht.
Nach 90 Tagen ist die erste Orientierungsphase abgeschlossen. Mitarbeitende haben einen ersten Eindruck vom Arbeitsalltag gewonnen, erste soziale Kontakte geknüpft und den Alltag im neuen Land kennengelernt. Gleichzeitig tauchen in dieser Phase häufig erste Enttäuschungen oder ungelöste Probleme auf, die anfangs noch von der Neugier überlagert wurden.
Die Ziele des Expatriate-Check-ins lassen sich klar benennen:
- Den Anpassungsprozess im beruflichen und privaten Bereich einschätzen
- Offene Fragen zur globalen Mobilität und zur Entsendung klären
- Frühzeitig Risiken für die Entsendung erkennen, zum Beispiel soziale Isolation oder mangelnde Unterstützung der Familie
- Die Motivation und das Engagement des Mitarbeitenden langfristig sichern
- Konkrete Maßnahmen vereinbaren, die die weitere Integration fördern
Ein gut durchgeführter Mitarbeiter-Check-in stärkt das Vertrauen zwischen Unternehmen und entsandten Mitarbeitenden und zeigt, dass die Entsendung nicht mit der Ankunft endet, sondern als fortlaufender Prozess begleitet wird.
Welche Bereiche sollte ein strukturiertes Check-in-Gespräch abdecken?
Ein wirksamer 90-Tage-Check-in geht über rein berufliche Themen hinaus. Internationale Entsendungen betreffen den gesamten Lebensbereich eines Menschen, und genau das sollte das Gespräch widerspiegeln.
Berufliche Integration
Hier geht es darum, wie gut der Mitarbeitende im neuen Team angekommen ist, ob Aufgaben und Erwartungen klar sind und ob die Zusammenarbeit reibungslos funktioniert. Fragen zur Unternehmenskultur, zu Kommunikationsgewohnheiten und zur Einbindung in Entscheidungsprozesse sind besonders relevant.
Persönliche und familiäre Situation
Die Familie spielt bei internationalen Entsendungen eine entscheidende Rolle. Wenn Lebenspartner oder Kinder nicht gut ankommen, wirkt sich das fast immer auf die Arbeitsleistung aus. Themen wie Schulsuche, Sprachkurse, soziale Netzwerke und das allgemeine Wohlbefinden der Familie sollten aktiv angesprochen werden. Unterstützung beim Umzugsmanagement kann in dieser Phase noch nachgelagerte Fragen aufwerfen, die es zu klären gilt.
Administrative und rechtliche Angelegenheiten
Sind alle notwendigen Dokumente vorhanden? Gibt es offene Fragen zu Aufenthaltsgenehmigungen, Krankenversicherung oder Bankverbindungen? Gerade bei der deutschen Mobilität entstehen in den ersten Monaten häufig noch bürokratische Lücken, die geschlossen werden müssen.
Kulturelle Anpassung
Kulturelle Unterschiede werden oft unterschätzt. Mitarbeitende, die aus einem anderen Kulturkreis kommen, brauchen Zeit, um Arbeitsstile, soziale Normen und Kommunikationsmuster zu verstehen. Das Check-in-Gespräch bietet Raum, darüber offen zu sprechen, ohne dass Mitarbeitende das Gefühl haben, bewertet zu werden.
Einen strukturierten Gesprächsleitfaden für das Check-in entwickeln
Ein guter Leitfaden für das 90-Tage-Check-in-Gespräch gibt Struktur, ohne das Gespräch zu starr zu machen. Er dient als Orientierung, nicht als starres Skript. Ziel ist ein offener Dialog, in dem der Mitarbeitende das Gespräch mitgestaltet.
Aufbauend auf den im vorherigen Abschnitt beschriebenen Bereichen könnte ein Gesprächsleitfaden folgende Phasen umfassen:
- Einstieg und Atmosphäre schaffen (5 Minuten): Mit einer offenen Frage beginnen, zum Beispiel: „Wie geht es Ihnen nach den ersten drei Monaten insgesamt?“ Das signalisiert echtes Interesse.
- Berufliche Situation besprechen (15 Minuten): Aufgaben, Erwartungen, Teamdynamik und erste Erfolge thematisieren. Auch Frustrationspunkte aktiv erfragen.
- Persönliche und familiäre Situation (10 Minuten): Offen nach dem Wohlbefinden der Familie fragen. Sind Kinder gut in der Schule angekommen? Fühlt sich der Partner oder die Partnerin wohl?
- Administrative offene Punkte klären (10 Minuten): Gibt es noch ungelöste Fragen zu Dokumenten, Behördengängen oder praktischen Alltagsthemen?
- Kulturelle Erfahrungen und Anpassung (10 Minuten): Was hat überrascht? Was fällt noch schwer? Gibt es Missverständnisse im Arbeitsalltag?
- Konkrete nächste Schritte vereinbaren (10 Minuten): Welche Unterstützung wird benötigt? Wer ist zuständig? Bis wann soll was erledigt sein?
Wichtig: Das Gespräch sollte in einer ruhigen, vertraulichen Atmosphäre stattfinden. Mitarbeitende müssen das Gefühl haben, offen sprechen zu können, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen.
Häufige Herausforderungen beim 90-Tage-Check-in erkennen und lösen
Auch wenn der Rahmen gut vorbereitet ist, können im Gespräch selbst oder in den Wochen danach typische Schwierigkeiten auftauchen. Diese zu kennen, hilft dabei, frühzeitig gegenzusteuern.
Mitarbeitende öffnen sich nicht
Manche Mitarbeitende, insbesondere aus Kulturen mit starker Hierarchieorientierung, zögern, Probleme offen anzusprechen. Sie befürchten, als schwach oder undankbar wahrgenommen zu werden. Hier hilft es, konkrete, offene Fragen zu stellen und selbst Beispiele zu nennen, die zeigen, dass Herausforderungen normal sind: „Viele Mitarbeitende berichten in den ersten Monaten von Schwierigkeiten mit der deutschen Direktheit im Arbeitsalltag. Wie erleben Sie das?“
Probleme werden erst nach dem Gespräch sichtbar
Manchmal berichten Mitarbeitende erst Wochen nach dem Check-in von ernsthaften Schwierigkeiten. Deshalb ist es sinnvoll, bereits im Gespräch einen nächsten informellen Kontaktpunkt zu vereinbaren, zum Beispiel einen kurzen Anruf nach weiteren vier Wochen.
Familie wird nicht einbezogen
Ein häufiger Fehler ist, die Familie bei der Entsendungsbegleitung zu vernachlässigen. Unternehmen, die deutsche Mobilität aktiv begleiten, wissen: Wenn die Familie nicht gut integriert ist, steigt das Risiko eines vorzeitigen Abbruchs der Entsendung erheblich. Es lohnt sich, gezielte Unterstützungsangebote für begleitende Familienmitglieder zu schaffen.
Keine klaren Verantwortlichkeiten nach dem Gespräch
Ein Check-in ohne konsequente Nachverfolgung verliert seinen Wert. Wenn Maßnahmen vereinbart, aber nicht umgesetzt werden, entsteht Frustration. Klare Zuständigkeiten und Fristen sind deshalb unverzichtbar.
Ergebnisse dokumentieren und Folgemaßnahmen koordinieren
Das Gespräch selbst ist nur der Anfang. Damit der 90-Tage-Check-in tatsächlich Wirkung entfaltet, müssen die Ergebnisse strukturiert festgehalten und konsequent weiterverfolgt werden.
Eine einfache Dokumentation sollte folgende Punkte enthalten:
- Datum und Teilnehmende des Gesprächs
- Wichtigste Erkenntnisse aus jedem Themenbereich
- Vereinbarte Maßnahmen mit klarer Zuständigkeit und Frist
- Offene Punkte, die noch geklärt werden müssen
- Datum des nächsten geplanten Kontakts
Die Dokumentation sollte vertraulich behandelt und nur für die direkt beteiligten Personen zugänglich sein. Mitarbeitende sollten eine Kopie erhalten, damit sie selbst nachverfolgen können, was vereinbart wurde.
Folgemaßnahmen können sehr unterschiedlich aussehen: von der Anmeldung zu einem Sprachkurs über die Klärung offener Behördenfragen bis hin zur Vermittlung von Kontakten in der lokalen Expat-Community. Entscheidend ist, dass jede Maßnahme konkret und umsetzbar ist. Vage Absichtserklärungen helfen niemandem.
Für Unternehmen mit mehreren entsandten Mitarbeitenden empfiehlt es sich, die Ergebnisse anonymisiert auszuwerten, um Muster zu erkennen: Gibt es wiederkehrende Herausforderungen? Welche Unterstützungsangebote werden besonders häufig gewünscht? Diese Erkenntnisse fließen direkt in die Weiterentwicklung des globalen Onboarding-Prozesses ein.
Wie ProfOrg bei der Begleitung entsandter Mitarbeitender unterstützt
Wir bei ProfOrg wissen aus langjähriger Erfahrung, dass eine internationale Entsendung weit mehr ist als die Organisation von Visa und Umzug. Die ersten Monate im neuen Land entscheiden darüber, ob eine Entsendung langfristig erfolgreich ist. Deshalb begleiten wir Unternehmen und ihre Mitarbeitenden auch nach der Ankunft aktiv.
Konkret unterstützen wir dabei:
- Strukturierte Check-in-Prozesse für entsandte Mitarbeitende zu entwickeln und zu begleiten
- Offene administrative und dokumentenbezogene Fragen nach der Ankunft zu klären
- Familien bei der Integration zu unterstützen, zum Beispiel durch Schulsuche, Sprachkurse und lokale Orientierung
- Kulturelle Anpassungsprogramme zu koordinieren, die auf das Zielland abgestimmt sind
- Als zentrale Ansprechstelle zwischen Unternehmen, Mitarbeitenden und lokalen Behörden zu fungieren
Unser Ziel ist es, dass Mitarbeitende nicht nur ankommen, sondern wirklich ankommen. Wenn Sie Unterstützung bei der Begleitung Ihrer internationalen Entsendungen suchen, sprechen Sie uns gerne an. Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit Ihnen einen Prozess zu entwickeln, der zu Ihrem Unternehmen passt.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und stellt keine rechtliche Beratung im Sinne von § 2 Abs. 1 RDG (Rechtsdienstleistungsgesetz) dar. ProfOrg ist keine Rechtsanwaltskanzlei und erbringt keine Rechtsberatung. Bei Bedarf arbeiten wir mit qualifizierten Rechtsanwält:innen zusammen. Bitte kontaktieren Sie uns, wenn Sie Unterstützung in Ihrer individuellen Situation wünschen.
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